Biosphärenkrise

Flugblatt: A5 oder: 2 mal A5 auf A4.



«Nachdenklichkeit heisst, es bleibt nicht alles so selbstverständlich, wie es war.» (Hans Blumenberg)

1 Zentralisierungsschwindel

Die Erzählung vom menschengemachten Klimawandel ist mittlerweile das grösste ökologische Problem des Planeten Erde. Und zwar nicht nur deswegen, weil mit ihm eine grosse Zahl umweltzerstörender und gleichzeitig sinnloser Massnahmen begründet wird. Sondern vor allem, weil, wenn sich allgemein herumspricht, dass es sich um ein Märchen handelt, das weiterhin dringend nötige ökologische Handeln gleich mit beendet werden könnte.

Dass sich das Weltklima ständig ändert, bestreitet niemand. Dass dieser Wandel menschengemacht ist, ist dagegen mittlerweile derart vielen Kritikpunkten ausgesetzt, dass man zu dem Schluss kommen muss, nach der «Corona-Pandemie» handle es sich bei dieser Erzählung um einen weiteren Zentralisierungsschwindel («centralisation scam», Nick Hudson, Closing remarks at the launch of the Trust & Freedom citizens’ initiative at the European Parliament, 4. Juli 2023):

«Ich habe eine Daumenregel um einen Zentralisierungsschwindel zu erkennen. Wenn wir (1) Propaganda für eine globale Krise feststellen, zu deren Bewältigung (2) ausschliesslich globale Lösungen zugelassen, und (3) abweichende Stimmen brutal zum Verstummen gebracht werden, dann können wir sicher sein, dass wir es mit einem Schwindel zu tun haben. Und jedem, der die Ereignisse der letzten Jahre mit ein klein wenig Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird bewusst sein, dass eine ganze Reihe von Agenden diese drei Krite­­rien erfüllt, nicht nur die Covid-Agenda.»

Dass «Klima» ein solcher Schwindel ist, scheint sich immer mehr herumzusprechen. In Deutschland tun Fanatiker wie die «Kleber» ihr Bestes dazu, diese Auffassung durchzusetzen, indem sie ihre selbsterniedrigende Protestform mit diesem Thema verbinden. Es besteht allerdings die Gefahr, dass mit der Be­­erdigung des Klimamärchens die Ökologie insgesamt untergeht. Das wäre schlecht, denn es ändert sich nichts daran, dass sich die Menschheit im Anthropozän zu einem Schädling der Biosphäre entwickelt hat und sich stattdessen dringend zu einem Nützling verändern müsste.

2 Kontraindikationen

Einige Gründe die gegen die Theorie sprechen, der Klimawandel sei menschengemacht. Weitere kann man zum Beispiel auf tkp.at finden.

Erst kommt die höhere Temperatur, dann das CO2 | «Seltsamerweise ist bei der von den Modellen vorgeschlagenen Hauptrichtung, ΔIn[CO2] → ΔT, die beobachtete Varianz beeindruckend niedrig (10-15%) und beeindruckend hoch (bis zu 90%) in der entgegengesetzten Richtung, bei ΔT → ΔIn[CO2].» (Demetris Koutsoyiannis et al., On Hens, Eggs, Temperatures and CO2: Causal Links in Earth’s Atmosphere, MDPI, 2023)

Historische CO2-Daten werden ignoriert | «Callendar folgend haben moderne Klimatologen historische CO2-Messungen ignoriert, obwohl es sich um Lehrbuch-Methoden handelt, die in verschiedenen Fachgebieten Standard sind. Chemische Methoden wurden als unzuverlässig diskreditiert und nur die wenigen ausgewählt, die zur Annahme einer Klima-CO2-Beziehung passen.» (Ernst-Georg Beck, 180 years of atmospheric CO2 gas analysis by chemical methods, Energy & Environment, v°18 n°2 (2007), 259–282, 2007)

“The” Climate Science is Settled. Any Questions? | Dreiteilige Serie vom «Desillusionierten Blogger» Iain Davis (Nov./Dez. 2023). Im 1. Teil werden Grundsätze der Klimaforschung einer kritischen Prüfung unterzogen. Gegenstand vom 2. Teil sind Experimente und zirkuläre Klimamodelle. Der 3. Teil beschäftigt sich mit den Kapitalinteressen, die die Klimaforschung beeinträchtigen.

Manipulationen | Es scheint so, dass das IPCC die Modelle nach dem Geschichtspunkt «Möglichst grosse Katastrophe» ausgewählt hat (Roger A. Pielke Jr., Die Jahrhundert-Panne des Weltklimarates, Achgut, 19. Okt. 2023) und die NASA Klimadaten nachträglich im Sinne des Erderwärmungsnarrativs gefälscht hat (Günter Ederer, Sind die Klimadaten manipuliert?, Achgut, 18. Nov. 2015).

Neulyssenkismus | Max Ludwig (Eine Generation abendländischen Neolyssenkoismus, GlobKult Magazin, 18. Aug. 2022).

«Seit etwa 40 Jahren beobachten wir in den demokratischen Staaten des Westens das Aufkommen eines Wissenschaftstypus, der im Folgenden Neolyssenkoismus genannt wird. Wie der Lyssenkoismus der zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts ist der Neolyssenkoismus eine Bewegung, bei der bestimmte Wissenschaftszweige politisiert werden. Die Folgen dieser Politisierung reichen weit über wissenschaftsimmanente Aspekte hinaus. Spätestens seit die Medizin in wesentlichen Bereichen ein Teil dieses Trends geworden ist, werden Auswirkungen für die gesamte Menschheit absehbar, die nur als furchtbar bezeichnet werden können.»

«Ein Erbe der Kolonialherrschaft» | In den Ländern des Westens selber geht es mit der Klima-Ideologie gegen Unter- und Mittelschicht. International betreibt die EU damit neokoloniale Aussenpolitik.

«In den Staaten Afrikas nimmt der Protest gegen den zum 1. Oktober eingeführten CO2-Grenzausgleich der EU zu. Der Mechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) soll die energieintensiven Industrien in der Union, die zunehmende Summen für Emissionszertifikate ausgeben müssen, vor Konkurrenz aus Nicht-EU-Staaten schützen und dazu dortigen Lieferanten, die energieintensive Waren in die Bundesrepublik liefern, neue Abgaben auferlegen. Seit dem 1. Oktober ist der CBAM formell in Kraft, zunächst allerdings in Form eines Probelaufs. Die Abgaben werden erst ab 2026 erhoben. Betroffen sind im ersten Schritt besonders Grundstoffe wie Eisen oder Aluminium. Die Maßnahme trifft zahlreiche afrikanische Staaten sehr stark, da sie seit der Kolonialzeit auf die Funktion von Rohstofflieferanten festgelegt sind. Mosambik etwa, eines der ärmsten Länder der Welt, das rund ein Viertel seiner Exporterlöse mit Aluminiumexporten in die EU erzielt, könnte durch den CBAM bis zu 2,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung einbüßen. Südafrikas Handelsminister warnt vor dem Anstieg von Armut und Arbeitslosigkeit.» (German Foreign Policy, 11. Okt. 2023)

Jedenfalls belegt diese Art der Aussenpolitik, dass kein wichtiger europäischer Politiker ernsthaft an den menschengemachten Klimawandel glaubt.

3 Wie die Gorillas im Regenwald

Dr. med. Helmut Jäger (priv. Mail):

«Die Biosphärenkrise gehört seit 50 Jahren bei Naturwissenschaftlern zum Grundwissen. 1992 wurde die damals nicht mehr zu leugnende Bio­sphärenkrise (das Anthropozän) in Rio von allen Staaten anerkannt. Es folgte die «Agenda 21»: «Global denken – lokal handeln». Gleichzeitig explodierte das kapitalistische Wachstum wie eine Exponentialfunktion: Vollgas angesichts der Wand.

Der Begriff Klimawandel oder -krise wurde erst um 2000 erfunden, weil die Umwelt-Katastrophe verdrängt und neue Möglichkeiten für den «Reset» des Kapitals gefunden werden mussten («Grünes Wachstum»). Es ist aber das Artensterben und vieles andere, das die Menschheit ins Grab bringen wird. Aber damit ist kein Profit zu machen, und daher wird die Krise des Ökosystems Erde verdrängt.

Im Prinzip geht es hier um Gesetzmäßigkeiten, die Biologen (und sogar manche Ärzte) immer wieder beobachten: Überschwemmt ein Erreger seinen Wirt mit ungebremstem Wachstum und hemmungsloser Ver­dreckung (Beispiel Cholera), dann gibt es (grob) drei Perspektiven:

  1. Den Wirt umbringen und mit ihm sterben (Mars-Perspektive).
  2. Den Keim umbringen und gesunden (Neo-Biosphäre ohne Homo sapiens).
  3. Sich in ein neues friedliches Ökosystem integrieren (Mensch als Nützling in einem Systemzusammenhang).

Die Cholera-Bazillen haben (c) geschafft, sie sind heute ein fried­licher Teil des Mikro­­bioms unter anderem der Nepalesen.

Bei der Gattung Homo befürchte ich die Varianten (a) oder (b). Es sei denn, es gäbe einen Bewusstseinssprung, der aber mindestens ebenso heftig sein müsste, wie der letzte der Neolithischen Revolution vor etwa 8000 Jahren.

Vielleicht bleiben nach einem großen Knall ein paar Exemplare übrig, die sich dann anders verhalten: eingebettet in ein Gesamtkonzept und etwa so nachhaltig, wie die Gorillas im Regenwald.»

Mehr von Jäger zum Thema: Wir zerstören die Biosphäre, Medizinisches Coaching, Sept. 2023.

4 In einem Haus mit Wänden aus Schokolade

Cornelius Castoriadis (Welche Demokratie?, 1990):

«Von der Herrschaft des Menschen über die Anthroposphäre und die von ihm geschaffene Welt zu reden, ist nur eine Wiederholung der alten kartesianisch-kapitalistisch-marxistischen Illusion vom Menschen als Herr und Besitzer der Natur – während er eher wie ein Kind ist, das sich in einem Haus mit Wänden aus Schokolade befindet und begonnen hat, diese aufzuessen, ohne zu begreifen, dass ihm bald der Rest des Hauses auf den Kopf fallen wird. […]

Wenn dies das herrschende Imaginäre der Menschheit in der westlichen Welt von heute ist, dann erfordert die Wiedergeburt des Autonomie­entwurfs riesige Veränderungen, ein wahres Erdbeben, nicht im Sinne physischer Gewalt, sondern in Bezug auf die menschlichen Über­zeu­gungen und Verhaltensweisen. Es geht um einen radikalen Wandel der Vorstellung von der Welt und des Platzes, den die Menschen darin einnehmen.

Man muss Schluss machen mit der Vorstellung der Welt als Objekt zunehmender Kontrolle oder als Kulisse einer Anthroposphäre. Die Welt, mit dem, was sie an Chaotischem, auf ewig Unbeherrschbarem enthält, wird niemals von der Anthroposphäre zu trennen sein, und der Mensch wird sie niemals unter Kontrolle bringen. Wie sollte er auch, wird es ihm doch bereits für alle Zeiten unmöglich sein, überhaupt nur die Verknüpfung der Taten zu beherrschen, deren Aufeinanderfolge sein eigenes Leben darstellt?

Dieses grandiose, aber inhaltsleere Phantasma der Kontrolle dient als Entschädigung für die groteske Anhäufung von lächerlichem Krimskrams, beide zusammen fungieren als Ablenkung und Zerstreuung, um uns hin­weg­zutäuschen über die grundlegende Tatsache unserer Sterblichkeit, um unsere Verbundenheit mit dem Kosmos zu zerstören, und um uns ver­gessen zu lassen, dass wir die unwahrscheinlichen Nutznießer eines unwahr­scheinlichen und sehr engen Spektrums physikalischer Bedingun­gen sind, die das Leben auf einem ungewöhnlichen Planeten ermöglichen, den wir gerade dabei sind zu zerstören.»

Mehr über den Autonomieentwurf auf den Seiten des Vereins zu Studium und Förderung der Autonomie (VSFA).

5 Entsorgung der Ökologiedebatte

Ein typisches Beispiel dafür, wie mit dem Klimanarrativ die Ökologiedebatte gleich mit entsorgt wird, liefert Aya Velazques (Aganda 2030, Agenda 21). Sie betrachtet verschiedene Agenden («2030», «21») und Berichte («Grenzen des Wachstums»), stellt fest dass sich die dort vorgeschlagenen Massnahmen gegen die breite Masse der Menschheit richten und die Autoren Leute sind, die zu den Funktionären des Kapitals gehören und entsprechende Weltbilder haben («Eugeniker» Meadows) und folgert daraus, dass die aufgeworfenen Fragen falsch sein müssen. – Diese Art der Argumentation verkennt einige Dinge.

1. Nur weil Funktionseliten eine Fragestellung entsprechend der von ihnen vertretenen Kapitalinteressen beantworten, heisst das nicht, dass die Frage falsch ist | Bei einer Menschheit von 8 Milliarden und angesichts zum Beispiel der überall zu beobachtenden Vermüllung (H. Jäger, Medizin-Müll) scheint doch wohl die Frage legitim, ob die Biosphäre für alle Menschen einen Lebensstandard wie im Westen hergibt (C. Castoriadis, Die “Rationalität” des Kapitalismus, 1997).

Dass sich das Kapital irgendwann über eine Idee hermacht, wenn es ihre Verbreitung nicht mehr verhindern kann, und die Idee dann in seinem Sinne entkernt und warenförmig ummodelt, womit sie ihren Sinn verliert (z.B. mit Dieselkraftstoff betriebene Ladestationen für Elektroautos), ist nachgerade der Witz des Kapitalismus als Wertzersetzungsmaschine («value-decoding machine», CJ Hopkins, The War on Reality (Revisited), 22. Mai 2023)

2. Der Unterschied von Text und Rezeption wird nicht beachtet | Der Titel des Berichts «Die Grenzen des Wachstums» (Club of Rome, 1973) wurde praktisch sofort zum geflügelten Wort, weil er einen Gedanken auf den Begriff brachte, der spätestens seit den 1950er Jahren im Raum stand.

Den Inhalt des Berichts, der aus komplizierten Modellrechnungen bestand, kannten die wenigsten. Die wesentliche Wirkung der «Agenda 21» (1992) waren nicht die enthaltenen Massnahmen (Amerika, Russland und China haben die Agenda sowieso nie verabschiedet), sondern die Botschaft, dass die Möglichkeit einer Biosphärenkrise nach 20 Jahren Diskussion in der Folge des Club-of-Rome-Berichts endlich weltweite Anerkennung gefunden hatte.

Die Konsequenzen, die einige Menschen und Gesellschaften aus all dem gezogen haben, ergeben sich keineswegs notwendig aus den Texten: In den 1970en der Umstieg von extrem chemielastiger zur Biolandwirtschaft, die Säuberung der Abgase (Autos, Industrie) oder nach der «Agenda 21» das EEG als ein Beispiel für «global denken, lokal handeln».

3. Gerade beim Bericht des Club of Rome wird die Pionierleistung nicht gewürdigt | Der Bericht hatte seine enorme Wirkung, weil zum erstenmal versucht wurde, die Frage zu quantifizieren, «Wieviele Ressourcen stehen der Menschheit zur Verfügung und wie schnell sind sie verbraucht?». Ebenfalls eine Pionierleistung: Zur Beantwortung der Frage wurde die erst seit kurzem verfügbare Rechenleistung der Grossrechner genutzt.

Für jede Pionierleistung dieser Art gilt, dass die erste Antwort zumeist falsch ist. Das entwertet die Pionierleistung jedoch nicht, denn irgendwer muss schliesslich anfangen.

Entscheidend sind die Kritik des Berichts in den Folgejahren und die sich ausweitenden Diskussionen des Themas. Diskussionen, die im übrigen die Frage einschliessen, ob sich Grenzen des Wachstums überhaupt modellieren lassen (die Frage nach der Geltung von Rechnermodellen), ob die Grenzen überhaupt quantifizierbar sind, oder ob nicht vielmehr der quantifizierende Umgang der Menschheit mit sich und ihrer Umwelt selber das eigentliche Problem ist (C. Castoriadis, “Rationalität”).

6 Von der Ökologie zum neuen Wachstum

Agenda 21 | Originaltext: Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, Rio de Janeiro, Juni 1992.

«Grenzen des Wachstums» | Digitalisierte Originalausgabe, Dartmouth Univ.: Donella Meadows et al., The Limits to Growth, 1972.

50 Jahre Diskussion der «Grenzen des Wachstums» | Claudia Mäder gibt einen Überblick über ein halbes Jahrhundert Wirkungsgeschichte und die sehr kontroversen Diskussionen um den Bericht des Club of Rome (“Wie eine neue Religion”: 1972 hat ein Buch die Welt verändert, NZZ, 2. März 2022), das Buch war gleich nach seinem Erscheinen ein Besteller:

«Auch wenn wir nun fast im Himmel enden: Nein, der Bericht des Club of Rome wird die Bibel niemals einholen. Aber das Buch hat eine globale Debatte angestossen, die unseren Blick auf die Umwelt bis heute bestimmt. Seine Gedanken haben Spuren in Lebensläufen hinterlassen, sie haben sich in Köpfen festgesetzt und in die Politik ausgegriffen. Die Erzählung der MIT-Forscher mag stimmen, halbwahr sein oder auch ganz danebenliegen: Auf jeder Ebene, vom gesamten Planeten bis in den eigenen Garten, hat “Die Grenzen des Wachstums” Geschichte geschrieben.»

Energieeinspeisungsgesetz (EEG) | Anja Baisch stellt dar, dass das ursprüngliche EEG aus Mitte der 1990er Jahre ein grosser Erfolg im Sinne des «global denken, lokal handeln» war. Auf Gemeinde- und regionaler Ebene bildeten sich Energiegenossenschaften, kleine und mittelständische Unternehmen profitierten. Die Merkel-Regierung hat dann ein Jahrzehnt gebraucht um diese Erfolge zugunsten des Energiegrosskapitals zunichte zu machen. (Energiepolitische Narrative: Schutz des Klimas oder Schutz der Monopole?, Multipolar, 2023)

Dorfgemeinschaften machen sich unabhängig | Dass es trotz des Kampfes des Grosskapitals gegen kleinräumige Energieversorgung immer noch viele Initiativen dieser Art gibt, zeigt Ulrich Gausmann in seinem Buch «Wirtschaft und Finanzen neu gedacht» (Massel, München 2023). «Über 160 Kommunen in Deutschland decken bereits einen großen Teil ihres Strom- und Wärmebedarfs durch überwiegend regional erzeugte Biomasse. Sie sind damit auf dem Weg, unabhängig von großen Energieunternehmen zu werden – und sparen Kosten. Viele der Pilotprojekte setzen auf Genossenschaften und eine breite Bürgerbeteiligung.» (Auszug in Multipolar, 24. Jan. ‘24’)

Klima statt Ökologie | Wenn es eine Person gibt, die für die Ersetzung des Ökologiediskurses durch das Klima-Narrennarrativ verantwortlich ist, dann wäre das der ehem. amerik. Vizepräsident Al Gore, der ab 2000 mit seiner Powerpoint-Präsentation «Eine unbequeme Wahrheit» um die Welt gereist ist.Im Jahr 2006 hat Gore das Climate Reality Project gegründet, um laut Missionierungserklärung «eine globale Lösung der Klimakrise zu katalysieren, indem dringendes Handeln in allen Sektoren der Gesellschaft zu einer Notwendigkeit gemacht wird». Karen Breslau zeigt (unbeabsichtigt), dass es Gore und den kalifornischen Digitalkapitalisten um die Erschliessung eines neuen Geschäftsfeldes ging. (The Resurrection of Al Gore, Wired, 2006)

The Manufacturing of Greta Thunberg | Prominente Figur im Klimanarrativ ist Greta Thunberg. In einer mehrteiligen Serie zeigt Cory Morningstar, wie das Narrativ konzipiert und die Figur «Greta» aufgebaut wurde. (Wrong Kind of Green, 2019, Buch als Book on Demand)

«Grundlegende Neugestaltung des Finanzwesens» | Im Jahr 2020 hat der BlackRock-Chef in einem Schreiben an Unternehmensführer «Klima» zum neuen «Investitionsstandard» erhoben. (A Fundamental Reshaping of Finance, Larry Fink’s 2020 letter to CEOs) Firmen dieses Typs sind seit der Finanzkrise 2009 zu den bedeutendsten «Kapitalorganisatoren» der westlichen Welt aufgestiegen. (Werner Rügemer, Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts, Papyrossa, Köln 2021) Mittlerweile müssen Firmen die von den Kapitalorganisatoren kontrolliert werden jährlich berichten wie sie «Environmental, Social, and Governance»-Ziel erfüllen. Effektiv handelt es sich um ein Verfahren, aus dieser «Kontrolle durch Bullshit Reporting» Profit zu ziehen. (Paul Frijters, Gigi Foster, Michael Baker, ESG, DEI, and the Rise of Fake Reporting, Brownstone, 13. Dez. ’23) – Es ist klar, dass die Kapitalorganisatoren nicht daran interessiert sind, die Klimaerzählung in Frage zu stellen, wenn sie in die inverstiert sind, denn das würde bedeuten, all diese Investitionen als Verlust verbuchen zu müssen. Dazu das Gedankenexperiment.

Umweltzerstörung durch Klimapolitik | Thodoris Tsimpidis beschreibt am Beispiel der griechischen Inseln, wie eine Jahrhunderte alte, ökologisch einigermassen integrierte Gesellschaft binnen weniger Jahrzehnte irreversibel geschädigt wird, mittels Vereinnahmung durch die globale Ökonomie (hier: Tourismus) und «Umweltpolitik», zuletzt «Klimapolitik». (Griechische Inseln – von der Autarkie zur totalen Abhängigkeit, Transition News, 2023)

Unterwanderbewegung | Peter Frey über einige Hintergründe, warum die Klimakleber von der Polizei sogar unterstützt werden (Graswurzelbewegung zur Klimarettung?, Peds Ansichten, 20. Sept. 2023).

7 Gedankenexperiment

Anonym «Künstliche Intelligenz» (Twitter/X, 24. Aug. 2023, Hervorhebungen z.T. geändert):

«Nehmen wir für einen Augenblick an, die Wissenschaft würde herausfinden, dass die Temperaturen auf der Erde fallen, dass CO2 nicht der wesentliche Treiber für das Klima ist oder dass der Klimawandel sich eher positiv auf Ernteerträge und Wohlstand weltweit auswirken wird. In anderen Worten: Aus einem der aufgeführten Gründe wäre die Klimapanik abgesagt.

Was sich wie eine gute Nachricht anhören würde, hätte massive Konsequenzen auf den eingeschlagenen Kurs. Die Vereinbarungen der Staaten zur Senkung der Emissionen wären hinfällig, der bisher erfolgte Umbau der Industrie und Energieversorgung wäre vor dem neuen Hintergrund sinnlos. Kapitalflüsse in der Höhe von Tausenden Milliarden US-Dollar wären plötzlich infrage gestellt. Parteiprogramme müssten umgeschrieben werden.

Im Gedankenexperiment können wir nun prüfen, wie realistisch die Annahme ist, dass diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich Verbreitung finden würden. Wäre die Wahrheit stärker als alle parteipolitischen, industriellen und ideologischen Interessen? Nein, natürlich nicht. Diese Annahme wäre naiv. Niemand, der Macht hat, würde der Änderung der Klimaerzählung einfach zustimmen und eigene Interessen zurückstellen. Dafür steht viel zu viel auf dem Spiel.

Wenn dies heute nicht der Fall ist, in welchem Jahr lag der „Point of no return“? Ab wann wurde der Klimakurs in Stein gemeißelt? Spätestens mit dem Klimaabkommen von Paris 2015 waren die Weichen gestellt. Vermutlich aber schon mit der Etablierung des IPCC im Jahre 1988, welcher die Aufgabe hatte, den menschengemachten Klimawandel nachzuweisen.

Aus der Betrachtung von der Metaebene aus ist die Sache klar: Das Klimanarrativ ist eine Ideologie. Die Wissenschaft ist nicht mehr ergebnisoffen. Seit vermutlich 1988, spätestens seit 2015. Alles andere ist Wunschdenken. Der harte Umgang mit Kritikern, die Zensur, die wir erleben, die massive Propaganda in den Medien, unterstreichen dieses Ergebnis des Gedankenexperiments.»

Al Gores Powerpoint-Weltreise 2000 oder seine Gründung des Climate Reality Project 2006 wären ebenfalls Kandidaten für einen Point-of-no-return.

8 Kreuzung selbstzerstörender Zentralisierungsschwindel

Dagmar Henn beobachtet über die Zentraliserungsschwindel «Klima» und «Ukraine» (Russlandkrieg und “Klimaschutz”: Zwei westliche Pläne, die scheitern, Magma Magazin, 12. Sept. 2023):

«Beide Pläne wirken nur begrenzt abgesprochen, und beide haben ein Problem mit dem Zeitablauf. Der geopolitische Plan zielte auf eine Konfrontation mit China vor 2025; die harte Kante hierbei war das Risiko, dass die chinesische Marine die letzte Lücke in den militärischen Fähigkeiten bei den U‑Booten schliessen könnte. Auch das gesamte Sanktionspaket hätte vier Jahre früher ganz andere Folgen gehabt; ganz zu schweigen von einer Aktivierung bereits 2014, die eventuell beabsichtigt war, aber am Aufstand im Donbass scheiterte.

Der Klimaplan hat für sein Funktionieren zur Voraussetzung, dass die ökonomische Dominanz des Westens noch unangefochten ist. Gerade auf diesem Gebiet waren die Veränderungen der letzten 18 Monate am deutlichsten, aber bereits zuvor hatte China in Lateinamerika und Afrika fast überall die Position des [grössten] Haupthandelspartners erreicht. Die Konsequenzen sind weitreichend.»

In Erweiterung ihres Gedankens könnte man es so formulieren: Es gab schon länger eine Reihe von Agenden mit denen die globalen Machtverhältnisse erhalten werden sollten (neben «Klima» und «Ukraine/China» u.a. «Pandemie», «Digitalisierung», «Gender»), die allesamt letztlich auf Fiktionen basieren und daher an sich mittelfristig nicht funktionieren. Dann hat der Davos-Conférencier Schwab mittgeteilt, «die Pandemie bietet ein seltenes aber enges Gelegenheitsfenster um unsere Welt zu reflektieren, reimaginieren und zurückzusetzen» (The Great Reset, WEF, 2020), d.h. die Agenden zu forcieren. Daraufhin sind die mit ihnen befassten Institutionen auf’s Gaspedal getreten und jetzt rasen vor allem die westlichen Gesellschaften in den Abgrund. Zumal das politische Personal wie der Zauberlehrling nicht in der Lage ist, die Lage zu erkennen und dem Wahn Einhalt zu gebieten. Nochmal Henn:

«Das politische Personal, das die beiden langfristig vorbereiteten Projekte umsetzt, besitzt weder die intellektuellen Fähigkeiten noch die politische Führungsstärke, um die Kollision dieser beiden Pläne zu erkennen und darauf mit entsprechenden Modifikationen zu reagieren; die sichtbaren Fraktionen etwa in den USA scheinen schon mit der Auseinandersetzung um das weitere Vorgehen nach dem Scheitern in der Ukraine überfordert.»

9 Beschleunigung des westlichen Auflösungsprozesses

Die aktuell rasant fortschreitende Krise hat ihre Ursachen in gesellschaftlichen Auflösungsprozessen, die aufmerksame Beobachter schon sehr viel früher wahrgenommen haben. Cornelius Castoriadis (Die Krise der westlichen Gesellschaften, 1982/1995 |PDF):

«Hinter diesen Phänomenen verbirgt sich ein Auflösungsprozess der westlichen Gesellschaften, ohne Ansehen der Klasse. […]

Die Erscheinungsformen dieser Auflösung können durch eine Bestandsaufnahme des nachhaltigen Scheiterns der in allen Kernbereichen verfolgten Politiken (oder noch radikaler formuliert, der Abwesenheit jeglicher Politik) leicht erfasst werden. Wenn die westlichen Gesellschaften weiterfunktionieren, ist das gewiss nicht der Fehler ihrer Führer, sondern Resultat der außerordentlichen Geschmeidigkeit und Anpassungsfähigkeit (Belastbarkeit) der liberalkapitalistischen Institutionen (von Systemkritikern und -gegnern völlig ignorierte Eigenschaften) und der bereits angehäuften riesigen Reserven aller Art (nicht nur an Reichtum).»

Die Reserven dürften mittlerweile aufgebraucht sein. Zu den Funktionseliten:

«Diese zufälligen, aber unvermeidbaren Führer finden sich an der Spitze jenes ausgedehnten bürokratischen Apparates wieder, den der moderne Staat darstellt, Träger und organischer Produzent einer ausufernden Irrationalität, unter dessen Agenten das alte bürokratische Ethos (des hohen Würdenträgers oder des gewissenhaften kleinen Beamten) zunehmend seltener wird. Und sie sind mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich immer weniger für “Politik” interessiert – d.h. ihr eigenes Schicksal als Gesellschaft.»

Nach den Werten des Westens verschwindet sein Wohlstand, weil der Rest der Welt materiell aufholt (BRICS). Der Westen hat nichts mehr zu bieten:

«Diese Infragestellung des vermeintlichen “Universalismus” der westlichen Kultur musste unweigerlich zurückschlagen auf die Selbstrepräsentation dieser Kultur und das Bild, das sie sich von ihrer Zukunft machen konnte. Die Art dieser Rückwirkung war nicht vorherbestimmt. Der Westen hätte sie auch zum Anlass nehmen können, umso entschiedener die Werte zu vertreten, die er immer noch für sich in Anspruch nimmt. Stattdessen scheint er im Zuge dieser Krise die Selbstbestätigung zu verlieren, die er sich von außen hatte holen wollen. Es sieht ganz so aus, als würden, durch einen sonderbaren Effekt negativer Resonanz, die westlichen Gesellschaften durch die Entdeckung ihrer historischen Besonderheit vollends in ihrem Bekenntnis zu dem erschüttert, was sie einst hatten sein wollen und können und, mehr noch, in ihrem Willen herauszufinden, was sie, in Zukunft, sein wollen.»

10 Die Menschheit, ein Witz der Naturgeschichte?

Vor 2020 hab ich mir das Thema «menschengemachter Klimawandel» so zurecht gelegt:

Kann schon sein, dass der menschliche CO2-Eintrag in die Luft eine Klimaerwärmung verursacht. Es war in der Erdgeschichte allerdings schon deutlich wärmer als heute. Da sind geschichtliche Warmzeiten, wie das Mittelalter oder die Antike, oder erdgeschichtlich das Zeitalter der Dinosaurier in dem das Leben nur so wucherte.

So schlimm kann eine Erderwärmung also nicht sein.

Die fossilen Energieträger (Erdöl, Kohle, Gas) heissen so, weil sie aus geologisch zerquetschten Wäldern aus eben diesen Warmzeiten stammen sollen. Damals soll der CO2-Gehalt der Luft viel höher gewesen sein, als heute. Und CO2 ist zwingend nötig für das Pflanzenwachstum: unter 150 ppm wächst nichts mehr.

Langfristig tötet der Schwund des Kohlenstoffs aus der Luft das Leben auf der Erde.

Ich habe daher gesagt: Vielleicht ist die Menschheit ein Witz der Naturgeschichte. «Aufgabe» der Menschheit es ist, das geologische Verschwinden des Kohlenstoffs aus der Luft rückgängig zu machen damit das Leben auf diesem Planeten weitergehen kann.

Nur eine halbwegs intelligente Spezies, die eine auf fossilen Energieträgern gegründete Lebensweise entwickelt, konnte diesen erdgeschichtlichen Auftrag erfüllen. Dass «Homo sapiens» ansonsten ziemlich dumm ist, spielt erdgeschichtlich eine untergeordnete Rolle.

Man kann sogar sagen: Wenn erstmal aller im Boden erreichbarer Kohlenstoff wieder zurück in der Luft ist, dann hat die Menschhheit ihre Schuldigkeit getan, der Mensch kann gehen. Genau das macht er durch seine sonstigen umweltzerstörerischen Aktivitäten. Das Leben auf der Erde wird ohne Menschheit schon weitergehen, wenn erstmal genug CO2 in der Luft verfügbar ist.

Jetzt, anno 2023, bin ich nicht mehr davon überzeugt, dass der menschliche CO2-Eintrag in die Luft wesentlich für den Klimawandel ist. Das ist doch wohl eher die Wechselwirkung aus Sonnenaktivität, Wolkenbildung (Wasserverdunstung) und kosmischen Phänomenen (relative Bewegung von Planeten, einstürzende Meteoriten usw.).

In jedem Fall gibt es keine guten Gründe, wegen dem CO2-Ausstoss etwas zu unternehmen. Sinnvoll wäre es allerdings, eine friedliches Zusammenleben mit allem was da kreucht und fleucht anzustreben, anstatt immer Krieg gegen Naturphänomene zu führen, wenn sie ihrem von «Gaia» (der Biosphäre) angedachtem Schicksal entgehen will.

NB | Es gibt zur Entstehung der fossilen Lagerstätten alternativ die Hypothese, die zu ihrer Bildung nötigen Kohlenwasserstoffe entstammen den oberen Schichten des Erdmantels (Peter F. Mayer, Unerschöpfliche Reserven von Erdgas und Erdöl in tieferen Schichten des Erdmantels, tkp, 4. Okt. 2023). Daran, dass erdgeschichtlich schon mal mehr CO2 in der Atmosphäre war als heute, ändert sich dadurch nichts.


Vom bösen Keim zum guten Keim | Paul Ewald asks, Can we domesticate germs? TEDTalks, 2008. Zunächst wäre es nötig stehen zu bleiben um den Lauf in den Abgrund zu beenden. Dann wäre die Frage wie ein friedliches Miteinander aller Lebewesen auf dem Planeten zu erreichen wäre, statt immer wieder «Krieg» zu führen.

Titelbild | Bhadla Solarpark, Rajasthan, Indien (Andreas Richwin, 22. Sept. 2023).

Zwischengrafik. Die sich selbst verzehrende Schlange, der Ouroboros. Jan Assmann (Ouroboros: Der altägyptische Mythos vom Sonnenlauf, PropylaeumDok N°4535, 2019):

«In der von ewigem Leben umschlossenen und erfüllten Welt hat – da Alles Eins ist – der Tod keinen Ort. Ewigkeit wird hier “kosmischem Leben” gleichgesetzt, das zugleich als Garant für die Unsterblichkeit alles Lebenden auf der existenzialen Ebene erscheint. Für die Einheit des Alls aber und die Unendlichkeit des kosmischen Lebens, aus der sich dieser Unsterblichkeits­gedanke herleitet, ist der Ouroboros ein Symbol, das daher, auf existenzialer Ebene, den Charakter eines Heilszeichens annimmt.»



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